Schädel-Hirn-Trauma

Mandaten, die ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben machen nach außen hin oft einen normalen Eindruck. Versicherungen gehen da nicht in die Tiefe und sehen nur den vermeintlich guten Zustand des Patienten. Wir als Spezialisten im Bereich Medizinrecht helfen Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer Forderungen.

Schädel-Hirn-Trauma

Schweregrade beim Schädel-Hirn-Trauma

Trauma bedeutet Verletzung. Die Verletzung des Schädels ist zweitrangig; sehr gefährlich ist für den Menschen als hochentwickeltes Lebewesen die Verletzung des Gehirns.

Man unterscheidet beim Schädel-Hirn-Trauma drei Schweregrade. Je schwerer der Grad, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass bleibende Schäden auftreten.

  1. Gehirnerschütterung (Commotio cerebri): Der erste Grad ist nur eine leichte Hirnverletzung mit nur vorübergehender Funktionsstörung des Gehirns, meist ohne Folgeschäden. Es treten oft Erbrechen, Ohnmacht und Schwindel auf.

Bei Kindern besteht schon bei leichteren Gehirnverletzungen (auch schon bei Schädel-Hirn-Trauma ersten Grades) ein Risiko. Zunächst Erscheinen die Verletzungen oftmals ausgeheilt, dann aber, beispielsweise während der Umformungsphase des Gehirns in der Pubertät, treten plötzlich Verletzungsfolgen hervor.

  1. Gehirnprellung (Contusio cerebri): Beim zweiten Grad kann nach einer längeren Ohnmacht als beim ersten Grad ein Gedächtnisverlust auftreten, also eine Gedächtnislücke über einen Tag hinaus.

Eventuelle Spätfolgen sind davon abhängig, welcher Teil des Gehirns betroffen ist.

  1. Gehirnquetschung (Compressio cerebri): Beim dritten Grad sind dauerhafte Schäden wahrscheinlich, aber nicht zwingend. Es ist möglich, dass gar keine Schäden zurückbleiben, möglich ist aber auch, dass der Betroffene zum Schwerstpflegefall wird oder sogar in ein Wachkoma (apallisches Syndrom) fällt und damit eventuell für das gesamte restliche Leben gar nicht mehr ansprechbar ist (schwerste mögliche Schädigung).

Die Einklemmung des Gehirns durch Blutungen, Ödeme oder ähnliche Vorgänge kann zu einem Druckanstieg führen. Die Folge ist meist ein lang andauerndes Koma. Zur Druckentlastung kann eine Bohrung in den Schädel oder eine vorübergehende Entfernung eines Teils der Schädeldecke notwendig sein (Trepanation).

Das Problem des schädlichen Druckanstiegs, durch den das Gehirn gequetscht wird, war schon unseren Vorfahren bekannt. Schädelbohrungen zur Druckentlastung sind seit 14 Tausend Jahren vorgenommen worden.

Man unterscheidet zusätzlich das geschlossene Schädel-Hirn-Trauma und das offene. Beim geschlossenen ist die Hirnhaut unverletzt. Bei einem offenen ist die Hirnhaut (Dura) verletzt und es kann Hirnwasser (Liquor) austreten. Das Infektionsrisiko steigt dadurch beträchtlich an.

Beeinträchtigungen des Gehirns

Beeinträchtigungen des Gehirns (hirnorganische Schädigungen) sind oftmals zunächst schwer erkennbar, das birgt die Gefahr, dass Ansprüche zu früh und zu gering abgefunden werden und dass etwaige zukünftige Ansprüche nicht ausreichend gesichert werden im Rahmen von gerichtlichen oder außergerichtlichen Abfindungserklärungen oder bei der klageweise Geltendmachung vor Gericht. Das ist ein Hauptproblem, da es meist schwer oder unmöglich ist nach einer Abfindung oder nach Beendigung eines Prozesses Nachforderungen zu stellen.

Auch aus diesem Grunde sollte so früh wie möglich eine gutachterliche Abklärung stattfinden durch Neurologen und Neuropsychologen.

Tod nach Schädel-Hirn-Trauma

Schädel-Hirn-Traumata sind für den größten Anteil der Todesfälle bei Verkehrsunfällen verantwortlich.

Die Überlebenschance der Betroffenen hängt maßgeblich von der Zeit und Qualität der Erstversorgung ab. Innerhalb einer Stunde („golden hour“) sollte der Verletzte in eine Spezialklinik verlegt werden, wo das besondere Augenmerk der Entwicklung des Hirndrucks gilt.

Bei einer unfallbedingten Zunahme des Hirnvolumens von mehr als sechs Prozent steigt der Hirndruck an. Kann er medikamentös nicht in den Griff bekommen werden, müssen Schädeldecke und Hirnhaut geöffnet werden (Trepanation). Nachdem der Hirndruck zurückgegangen ist, wird der Defekt geschlossen.

Das schwere Schädel-Hirn-Trauma begünstigt die Entstehung vielfältiger Komplikationen, die zu dauerhaften Beeinträchtigungen kognitiver Leistungen und hirnorganischen Störungen führen können: Denken, Fühlen, Wahrnehmen, Urteilen, Wollen und Handeln können eingeschränkt sein.

Folgeschäden (auch als Dauerschäden) können sein: Sehstörungen, Sprachstörungen, Schluckstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Epilepsie, Lähmungen, Spastiken, Störungen der Feinmotorik und Persönlichkeitsstörungen.

Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zieht also zum Ausgleich der schwerwiegenden Lebensbeeinträchtigungen ein hohes Schmerzensgeld nach sich.

Ganz schwere Fälle, in denen der Verletzte durch einen weitgehenden Verlust der Persönlichkeit oder Fortfall der Empfindungsfähigkeit getroffen worden ist, verlangen nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) eine eigenständige Bewertung dessen, was als Schmerzensgeld angemessen sein kann, um der zentralen Bedeutung dieser Einbußen für die Person gerecht zu werden.

Je nach Schwere des Falls sind von den Gerichten für die Folgen solcher Hirnverletzten zwischen 100.000,- und 750.000,- Euro ausgeurteilt worden.

Doch auch die materiellen Schäden dürfen nicht unterschätzt werden.

Schadensersatz und Schmerzensgeld nach Schädel-Hirn-Trauma

Ein Beispiel soll das verdeutlichen:

Eine dreißigjährige Frau, die im Berufsleben stand und ihren Haushalt führte, wird bei einem Verkehrsunfall verletzt und erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Sie hat Sprachstörungen, kann sich nicht mehr konzentrieren, ist sehr schnell erschöpft. Sie kann nicht mehr arbeiten, den Haushalt nicht mehr führen und wird depressiv.

Sie erhält zum Ausgleich dieser Lebensbeeinträchtigungen einen immateriellen Ersatz (Schmerzensgeld) in Höhe von 170.000,- Euro.

Eine dreißigjährige Geschädigte hat statistisch noch mehr als 53 Jahre zu leben, was 640 Monaten entspricht.

Der Haushaltsführungsschaden beträgt monatlich 900,- Euro. Der lebenslange Haushaltsführungschadensersatz beläuft sich dann schon auf 576.000,- Euro.

Der Ersatz des Verdienstausfalls (zu erwartender Verdienst gegen gerechnet mit Sozialleistungen) in Höhe von 1.600,- Euro monatlich bis zum Rentenalter (444 Monate) ergibt 710.400,- Euro

Darüber hinaus hat sie Anspruch auf den Ersatz ihrer Vermehrten Bedürfnisse, also die Aufwendungen, die sie ohne den Unfall nicht gehabt hätte (etwa: krankengymnastische Übungen, Logopäde, Physiotherapie, Begleitperson, Fahren zum Arzt). Rechnet man hier bloß einmal sehr moderat mit Kosten von 100,- Euro im Monat summieren sich diese lebenslang zu 64.000,- Euro auf.

Im Laufe ihres Lebens erhält die Geschädigte also mindestens 1.520.000,- an Ausgleichszahlungen.

Wird dieser Betrag kapitalisiert, verringert er sich, dafür erhält ihn die Geschädigte sogleich und kann sich damit (möglicherweise mit Hilfe der Familie) noch eine Zukunft aufbauen.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Dr. Lovis Wambach zum Schädel-Hirn-Trauma

„Schwer Hirnverletzte sind unter Umständen lebenslang auf fremde Hilfe und Betreuung angewiesen. Diese Kosten müssen im Sinne des Geschädigten sichergestellt werden.“

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